Verkörperung der Kunst   /   Künstlerische Bildung in der Kunstpädagogik
Reflexion der künstlerischen Tätigkeit in der Oberstufe der Waldorfschulen in fünf Clustern



              

Theorie

Cluster I        Identität -Nichtidentität / Bildung des Subjekts,
Cluster II       Body Turn  / Phänomenologische  Leibphilosophie
Cluster III      Wirksamkeit von Intuition, Imagination, Inspiration
Cluster IV     Sinnessymbiontik / in Produktion und Rezeption
Cluster V      Soziale Plastik / Kunst und Leben

In dem Projekt versuche ich die Erfahrungen von 35 Jahren Kunstpädagogik in der Oberstufe in fünf Clustern zu sammeln. Ich bin davon überzeugt, dass diese fünf Bereiche es ermöglichen im Sinne der Waldorfpädagogik den Kunstunterricht in der Oberstufe anzuregen und auch weiterzuentwickeln. Datenmaterial in Form von Schülerinterviews, aber vor allem visuelle Präsentationen von Malerei, Fotografie, Bühnenbild, Performance sowie Installation, Modellbau in der Architektur und Videos der letzten 15 Jahre bis in die Abschlussklassen mit den staatlichen Prüfungen in Baden-Württemberg sollen für den Lehrplan der Waldorfschule mit Bezug auf relevante Cluster unter dem Aspekt des „Embodiment“ ausgewertet werden.
Praxis

Porträt, Foto, Video
Aktmalerei, Performance
Künstlerische Dokumentation
Farbe, Installation, Architektur
Projekt- und Gruppenunterricht

Die Frage nach dem impliziten Wissen oder der Qualität von Erfahrungen des „leiblichen Spürens“ in ästhetischen Handlungen, ausgehend von dem Begriff des Leibes in der Sinneslehre R. Steiners (Quellen der Kunst, T. Göbel, Sinnessymbiontik, S. 11-100), aber auch T. W. Adornos Begriff des Somatischen in seiner Ästhetischen Theorie, sowie die phänomenologische Leibphilosophie von T. Fuchs werden dazu untersucht. Meine Erfahrungen werden im Sinne der Praxisforschung reflektiert.



Die fünf Cluster repräsentieren die unterschiedlichen Arbeitsrichtungen, welche sich aus der Praxis ergeben haben. Sie sind  als ineinander wirkende Felder zu denken. Die Themen ergänzen sich durch den gemeinsamen Bezug auf Imagination, Inspiration und Intuition in Cluster III.  Für jedes Cluster werden weitere Gliederungen erstellt. Es ist, neben der schriftlichen Ausführung im Medium Buch, eine digitale Plattform geplant, in der exemplarisches Bildmaterial aus den letzten Jahrzehnten des Unterrichts in der Oberstufe gezeigt wird.
Die Untersuchung entwickelt einen phänomenologischen Leibbegriff (Embodiment), um die anthropologische Dimension der Sinnestätigkeiten im Zusammenhang mit der Wirksamkeit von Imagination, Inspiration und Intuition genauer zu betrachten. 
Wie können die Wirksamkeiten von Imagination, Inspiration und Intuition aus der Perspektive der Anthroposophie mit Blick auf die Kunstpädagogik reflektiert werden? Jedes Cluster behandelt anhand von Kunsttheorie und Kunstpraxis Unterrichtsreihen sowie die Forschungsfrage zu Imagination, Inspiration und Intuition.
Die Position von C.P. Buschkühle in Bezug auf den erweiterten Kunstbegriff von J. Beuys dient als Orientierung für eine aktuelle Position künstlerischer Bildung. Die Studie versucht aus der Perspektive der Waldorfpädagogik einen experimentell erkenntnistheoretischen und vor allem auf die Praxis bezogenen Beitrag für die Persönlichkeitsbildung durch künstlerische Prozesse zu entwickeln.  
︎  Einführung
   

Cluster I    Identität -Nichtidentität / Bildung des Subjekts                                                                   
                          

Die Selbstfindung der Jugendlichen, die Frage nach dem Ich berührt im Begriff der Identität einen Kern im Bildungsgeschehen. Anhand der Beschäftigung mit den heute in der Lebenswelt der Jugendlichen verwendeten technischen Medien sind im Besonderen die Praxis der Selbstinszenierung auf Instagram (“ich fotografiere also bin ich”) oder die Reflexion auf fotografisch oder filmisch inszenierte Schönheitsideale zunehmend seit der Jahrtausendwende eine relevante Frage für die Schüler*innen, denn die Visualisierung auf technischen Geräten dient einer ludischen Form der Persönlichkeitsäußerung. Das handwerklich hergestellte Porträt in Form des Mediums Malerei fungiert parallel in den Unterrichtsprozessen als eine weitere Dimension gegenüber den all zu schnell hergestellten “Klicks und Likes”. 
Realistische Malerei, sie wird oft von der Fotografie oder dem Film inspiriert und dient als eine Aneignung und Verlangsamung mimetischer Prozesse, wodurch sich handwerkliche Fertigkeiten entwickeln, aber auch eine bewusste Schulung der Sinne möglich wird. Gerade die Differenz zwischen Fotografie und Malerei ergibt fruchtbare Fragestellungen an die Erscheinungen der Bilder von Menschen. Welche Wirklichkeit zeigt das Abbild eines Gesichtes? Der Jugendliche ist sozusagen aufgerufen sein Bild vom Menschen zu suchen! Diese zentrale Besinnung auf das Hinterfragen dessen was die Darstellung des Menschen in der Kunst ausmacht, ist ein Motiv des Lehrplans in Klasse 12 und 13 im Kunstunterricht der Waldorfpädagogik. Identität, Artikel  



                                                                                                                                                                                                                                              
Kunstheorie III Kunstbetrachtung als Grundlage für die Interaktion in produktiven und rezeptiven Bild-Prozessen. Entwicklung reflexiv, kritischer imaginativer Fähigkeiten in der Kunsterkenntnis, Essays zur Imagination / Wirklichkeit der Bild-Konstitution Performativität, Ereignis als dynamische Erkenntnis, Heidegger
Ikonische Differenz- Imagination und Intentionalität, Böhm
Phänomenologie und Bildreflexion, Husserl
Seelische Beobachtung in der ästhetischen Anschauung, Steiner
Das dialektische Bild, Benjamin,
Mnemoysne Atlas, Nachleben der Bilder, Huberman

Kunstpraxis IIIFotografie, Video, Darstellung und Analyse von Interaktionsprozessen, Identitätsbildung in der Gruppe


Cluster II         Body Turn / Phänomenologische Leibphilosophie, 




Das Antlitz des Menschen ist nur ein Aspekt der Identität, der ganze Körper als Handelnder wird in der Jugendzeit neu erfahren. Der starke Wachstumsvorgang innerhalb weniger Jahre und parallel dazu die seelischen Umbrüche spiegeln sich im ganzen Körper.


Kunsttheorie I
Differenz zwischen Leib und Körper
R. Steiners Darstellung des vierfach gegliederten Leibes
Anthropologie, Sinnessymbiontik, Felt Sense, Lebenssinn, Eigenbewegung Sinneslehre Steiners,
Historische Perspektiven, Kunstbetrachtungen zur Leibdarstellung

Kunstpraxis I
Körperdarstellung, Akt- Malerei,  Fallstudien, Klasse 11-13, Tableau Vivant als Auftakt zur Performance

Kunsttheorie II
Performativität, der handelnde Mensch, Kollektive Performativität, Embodiment, Kunstbetrachtungen zur Performance: Beuys, Kentridge,
Kunstpraxis II
Performance, Aktionen 11-13 exemplarische Beispiele, Theaterprojekt Unterrichtsreihe,

Der Verlust von Körperlichkeit in Zeiten der digitalen Bildung wird zunehmend problematisch, die Zeiten, in denen sich Jugendliche täglich nur noch durch das Tippen des Fingers bewegen, haben exorbitant zu genommen. Die Beschäftigung mit Performance und Aktmalerei thematisieren hier als ein Gegengewicht die sinnliche Erfahrung des Körpers.


Verkörperung / Embodiment Kognition
Theorie, Gendlin, Polany, Domasio
Neurologie, Kinästhesie,
Implizites Wissen, Felt Sense

Orientierung zum Thema Embodiment

Fokusing in der Künstlerischen Bildung Die psychotherapeutischen Methoden Gendlins wirken als Wechselwirkung zwischen Erleben und Begreifen. Daraus ergaben sich  erlebensbezogene Konzepte.
Eugene Gendlin
„Die Schritte im Sagen und Denken sind nicht nur logisch verknüpft, sondern kommen aus und bewähren sich an dem Erleben, das als Felt Sense immer mehr ist als das schon Gesagte und Gedachte“





Cluster III    Wirksamkeit von Intuition, Imagination, Inspiration,  Künstlerische Dokumentation von Prozessen in der Kunstvermittlung  Schöpferischer Akt ︎     




                                
„Das reine Bild überhaupt ist die Zeit“ (Heidegger zitiert Kant)

Wirksamkeit von Imagination Inspiration und Intuition spiegeln sich in der Künstlerischen Bildung. Die Dokumentation richtet sich auf die Entwicklung des künstlerischen Denkens, des Fühlens im künstlerischen Erleben und auf das handwerkliche Tun im Spiel mit dem Materialien und unterschiedlichen Medien.
Experimentelle Erkenntnistheorie als Kunstphilosophie, sowie
Anthropologie leiten die Blickrichtung. Die Philosophie der Freiheit als Grundlage der Kunstpädagogik.
Bildungsprozess des Menschen als Kunstwerk, “Mensch gleich Kunst”
Das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft im künstlerisches Denken bei Rudolf Steiner und Josef Beuys sowie in der aktuellen Künstlerischen Forschung wird untersucht.

Die Evolution der Imagination,...

 




Cluster IV         Sinnessymbiontik in Produktion und Rezeption, Farb-Raum, Raum der Installation und Architektur





Farbe und Zeichnung

Ästhetische Erfahrung und künstlerische Bildung,
Farbe als Körpererfahrung,
Farbwahrnehmung als Atemprozess,
Kulturgeschichte der Farbe,
Substanzprozesse und Sinnesorganisation
Unterrichtsreihen zu Ganzfeld Farbe, Stoff, Materialität, Maltechnik
Farbdynamik, Farbe in Relation zur Zeichnung, Sinnessymbiontik

Installation und Architektur

Installation als eine Position der Gegenwartskunst ist im Unterricht vielfältig präsent, Theaterprojekte, Performance, Objekte, Ausstellungen und Präsentationsformen stellen Anforderungen bis in die Prüfungsnotwendigkeiten .

                





 Cluster V          Soziale Plastik / Kunst und Leben / Projektunterricht                                         Gruppenarbeit, Bühne, Rosenprojekt


                                                                                   
Kunst im System Schule




Kunsttheorie

Begriff der Lebens, I. Kant, P. Bürger, F. Nietzsches Vitalismus oder der Elan Vital von Bergson, vielleicht auch das rhizomatische Denken eines Deleuze fragen nach dem Leben. Basale Lebensprozesse wie Atmung, Wärmung, Erhaltung, Reproduktion spiegeln sich in künstlerischen Prozessen. Die Kunst steht dabei in einem Verhältnis zu den mediale Lebenswelten der Jugendlichen.
Achtsamkeit und Aufmerksamkeit als Grundlage der Lebenskunst, Ethik der Ästhetik, Felt Sense als kunstpädagogische Methodik.
Kunstpraxis 

Interaktion, Gruppenprozesse in der Malerei, Kollektive Imagination, Projektunterricht, Bühnenbild, Formen der Präsentation, Installation.
Intuition bei Schüler*innen und der Lehrperson als Grundlage des pädagogischen Handelns.




Rosenprojekt

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